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Aus Bauunternehmen werden Projektentwickler

03.04.2017ImmobilienBauindustrie, Projektentwicklung, Ballungsräume

Während des Baubooms in den 90er Jahren haben die großen Bau-AGs auch Projektentwicklungsabteilungen gegründet. Die Entwicklung blieb auf die großen Konzerne beschränkt. Anfang der 90er Jahre setzte die starke Konsolidierung in der Branche ein. Bauuntypische Risiken mussten minimiert werden.
 


Die Folge war ein stark rückläufiger Trend und im Übrigen eine völlig veränderte Landschaft der Bauindustrieunternehmen. Große mittelständische Unternehmen beherrschen den Markt weit mehr als je zu vor.

Ab 2009 änderte sich diese Entwicklung. Angeführt vom Mittelstand haben heute viele mittelständische und große Baubetriebe (Bauvolumen ab etwa 50 Mio. € pro Jahr) einen eigenen Projektentwicklungsbereich. Prominente Beispiele sind die Zech-Group, PORR mit ihrer Immobilientochter Strauß & Partner. Aber auch in den Regionen und Ballungszentren haben Mittelständler die Projektentwicklung für sich entdeckt, z.B. Aug. Prien in Hamburg sowie die Schrobsdorff Bau in Berlin.

In den Ballungszentren, insbesondere Berlin, wächst die Bevölkerung wie nie zuvor. Diese Entwicklung soll auch über die nächsten Jahre anhalten. Der Bedarf des eher gleichförmigen Mietwohnungsbaus lässt sich optimal über leistungsfähige Baufirmen mit einer eigenen Projektentwicklungsabteilung realisieren. Kondor Wessels und Schrobsdorff erstellen unmittelbar für Wohnungsbaugesellschaften der öffentlichen Hand. Diese Entwicklung wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch fortsetzen und die anderen Ballungsräume erfassen. Bei „Build on demand“ liegen für große Wohnungsbauprojekte die Risiken im Wesentlichen im Planen und Bauen und können daher auch optimal von der Bauwirtschaft gelöst werden. Für Eigentumswohnungsbau oder Gewerbe und Retail gelten hier andere Regeln.

Dieses erfolgreiche Modell lässt sich aber auch mit (ausschließlichen) Entwicklern kombinieren. Durch Joint-Ventures oder Partnering lassen sich die Baurisiken erheblich minimieren. Es erstaunt, dass dieses Modell so selten angewandt wird. Der Entwickler muss nur zu einem geringen Teil auf seinen (kalkulierten) Gewinn verzichten, erhält aber im Ergebnis eine stark verbesserte Risikostruktur. Der IVG helfen solche Überlegungen nicht mehr (The Squaire). Die Banken und private Funds sollten dies bei der Projektfinanzierung berücksichtigen.
 

Rainer Pietschmann
Rainer Pietschmann
Managing Partner Pietschmann Legal Rechtsanwaltsgesellschaft mbH,
Vorsitzender des Aufsichtsrates der Schrobsdorff Bau AG

www.rae-pietschmann.de

 

Dieser Beitrag ist Teil der aktuellen Ausgabe des Handelsblatt Journals „Immobilienwirtschaft“, das Sie hier erhalten können